80 Jahre Jugendarbeit – die Geschichte des Hauses Hosemannstr. 14

Ein kurzer Abriß der Hausgeschichte – Stand: Januar 2018

80 Jahre Jugendarbeit im Spiegel der Zeit – die Geschichte der Hosemannstr. 14

1. HJ – Heim (1938 – 1945):

Das Haus in der Hosemannstr. 14 wurde 1939 – 1941 gebaut und diente bis zum Jahr 1945 der Hitlerjugend (HJ) als zentrales Jugendheim für den Bezirk Prenzlauer Berg. Während des Krieges, ab 1943, wurde der Keller auch als Luftschutzkeller für die Anwohner des Kiezes genutzt. Junge Menschen, teilweise noch Jungvolk (unter 14 Jahren) werden als Jugendwache im Haus eingesetzt. Das Haus wurde auch von Jugendlichen besucht, die nicht in der HJ organisiert waren. Für die Brandwache – Luftschutzwache bekamen die Jungen 5,- RM/Woche. Im Dezember 1944 wird der Jahrgang 1929 gemustert. In den jeweiligen Etagen sitzen die einzelnen Waffengattungen. Im großen Saal im 3.OG befand sich die Waffen SS, in den Etagen darunter die Wehrmacht, Luftwaffe und Marine. Im EG. wurden die Ergebnisse von Offizieren den Jungen verkündet. Im Garten standen Geschütze und weitere Waffen zur Besichtigung. Im Jahre 1945 wird auch im Prenzlauer Berg gelkämpft. Aus der Hosemannstr. 14 heraus – Waffenlager und Schlafplätze im Keller –  mussten die 13 bis 14-jährigen Jungen gegen die schnell aus Weissensee vorrückende Rote Armee kämpfen. Schwerpunkt der Kämpfe ist die Ecke Ostseestr./Greifswalder Str. und ab 24.4. der S-Bahnhof Greifswalder Str. Viele der Jungen sterben einen „sinnlosen“ Tod. lt. Zeitzeuge Hr. Gewald fielen allein aus seiner Schulklasse mehr als 2/3 der Jungen. Die Kämpfe im Prenzlauer Berg toben bis zum 2.5.45 weiter.

2. Amtsgericht Prenzlauer Berg (1945):

Unmittelbar nach Kriegsende wurde das Gebäude von der russischen Besatzungsmacht übernommen. Auf Weisung der roten Armee war ab Juni 1945 das Amtsgericht Prenzlauer Berg im Haus: „In der ersten Woche verhandelte das Gericht 21 Zivilrechtsfälle, es wurden 18 Anträge angenommen und 39 mündl. Auskünfte erteilt, die allg. Verwaltung erledigte 431 Eingänge. Die Staatsanwaltschaft hatte 8 Strafanträge. Die Richter verwendeten Urteilsbögen des Dritten Reichs mit dem Vordruck „Im Namen des deutschen Volkes“, wo sie „deutschen“ rausstrichen. Auch alte Stempel und Briefumschläge wurden weiter verwendet, wobei der Reichsadler und das Hakenkreuz herausgekratzt bzw. überklebt waren“

3. Gesundheitsamt Prenzlauer Berg (1945 – 1947)

ab 1.10. 1945 dann das Gesundheitsamt Prenzlauer Berg. Die FDJ (Freie Deutsche Jugend)- bis Oktober 1947 in Berlin noch der antifaschistische Jugendausschuß nutzte wahrscheinlich auch schon ab 1946 einige Räume, was aber noch nicht klar ist.

4. Stadt- bzw. Landesvorstand der FDJ von Groß-Berlin (1946/47 – 1951)

Mit der offiziellen Gründung der FDJ in Berlin im Oktober 1947 wurde das Haus in der Hosemannstr. 14 Sitz des Landesvorstandes der FDJ mit dem Landesvorsitzenden Heinz Keßler. Von diesem Ort aus wurden die verschiedenen öffentlichen Aktivitäten koordiniert. Ein erster Höhepunkt war das Deutschlandtreffen im Mai 1950, wo das Haus zentraler Treffpunkt und Organisationszentrale der FDJ war. Der Landesvorstand zog im Februar 1951 in das Gebäude des Zentralrates der FDJ in die Straße Unter den Linden.

5. Kreisleistung der FDJ vom Prenzlauer Berg (1951 – 1955)

Das Haus bleibt teilweise Verwaltungsgebäude der FDJ, jetzt für die Kreisleitung Prenzlauer Berg.

6. Haus der Jugend bzw. Kreisklubhaus der Jugend (1955 – 1962)

In den nun folgenden Jahren, ab Juli 1955,  wurde das Haus verstärkt als Kultureinrichtung der FDJ genutzt. Zuerst für Kinder, später mehr für die Jugendlichen. Gesichert ist folgende Bezeichnung aus dem Jahr 1960: „Kreisklubhaus der Jugend, Groß Berlin, Rat des Stadtbezirkes Prenzlauer Berg, Abteilung Volksbildung“. In dieser Zeit gab es verschiedenste kulturelle Angebote wie: „junge Talente“, Jugendtanz, Tanzschule, AG Hörspiel, im Erdgeschoß befand sich eine gut sortierte Kinderbibliothek, im Haus wurden die Prüfungen für das Abzeichen für gutes Wissen abgenommen u.v.m.  Die Kreisauscheide der Bewegung „Junge Talente“ fanden ab 1960 in diesem Klubhaus statt.  Nach dem Bau der Mauer im Jahre 1961 veränderten sich langsam auch die Strukturen in unserem Haus. Am 1.8.1962 wird die Einrichtung als FDJ Jugendklub „Julius Fucik“ von der Abtl. Kultur übernommen. Im selben Jahr wechselt der Amateurfunkzirkel aus der Stalinallee in die Hosemannstr. 14 und legt so den Grundstein für die spätere Nutzung als Radioklub der DDR.

7. Radioklub der DDR (1962 – 1990)

Der Radioklub der DDR wird in der Hosemannstr. 14, anläßlich des 13. Jahrestages der Gründung der DDR, eröffnet. Unter dem Leitspruch „Hörzu-die GST sendet“ findet an diesem Tag von 15 – 16 Uhr ein Hörerwettkampf für die Berliner Rundfunk und Kurzwellenhörer statt. Der Radioklub ist eine neue Sparte der GST. Seine Hauptaufgabe besteht darin, junge Menschen in der Nachrichtentechnik gründlich auszubilden. Parallel laufen noch Angebote des FDJ- Klubs.In den folgenden werden immer mehr Räume zur Nutzung an die GST (Gesellschaft für Sport und Technik) übegeben, so dass die 70er und 80er Jahre in unserem Haus,  von der Arbeit des Radioklubs geprägt sind. 1982/1983 entwickeln kreative Mitarbeiter in den Räumen und mit den Ressourcen des Hauses den ersten Amateurcomputer der DDR unter der Bezeichnung AC 1, welcher dann 1983 auf der zentralen MMM (Messe der Meister von Morgen) in Leipzig einem breiten Publikum vorgestellt wird.  In Folge der Entwicklung des AC 1 fanden auch bald die ersten Softwaretreffen in unserem Haus statt.  1987 wird der RSV der DDR gegründet (Radiosportverband) und man löst sich als Radioklub mehr und mehr von der GST. Das alles verhindert nicht die Schließung der Einrichtung als Radioklub zum 30.6. 1990.

8. keine Nutzung (1990 – 1993)

Danach lag die Einrichtung für drei Jahre brach, bevor sie durch das Bezirksamt, die Kol­legInnen und die Jugendlichen wieder hergerichtet wurde und seit 1993 der kommunalen Kinder- und Jugendarbeit diente.

9. Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung/Gästeetage (1993 – 2010)

Durch die Mittel aus dem Fond Jugend mit Zukunft können einige Räume des Hauses mit Möbeln und Technik ausgestattet werden. Dabei wird Raum für Raum erobert. Auch und gerade in Kooperation mit einigen freien Trägern – „Raus aus der Stadt e.V.“, „O-Ton Studio“ und Insel der Jugend e.V. – SWAT – Posse. Eine Gästeetage gab es dann auch seit 1993 und mit dieser auch viele neue Impulse für die Arbeit, z.B. einige internationale Kooperationsprojekte als Highlights, u.a. mit dem Henry Street Settlement in New York. Organisatorische Beteiligung am Kulturprojekt Street Jam 1994 und 1995. Gemeinsam mit den Jugendlichen wird der Hof neugestaltet. In den folgenden Jahren wurde das Haus als Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung des BA Prenzlauer Berg betrieben, ab 2001 dann im neuen Großbezirk Pankow.

10. Medienkompetenzzentrum Pankow (ab 2010)

Das Medienkompetenzzentrum begann Mitte der neunziger Jahre als update im mezen auf dem Pfefferberggelände. Im Jahr 2000 gab es, vom Kinder- und Jugendhilfeausschuss (KJHA) Prenzlauer Berg beschlossen, eine Interessensbekundung für eine zentrale Ein­richtung Jugendmedienarbeit am Standort Senefelderstr. 6, für die das Konzept des mezen – Medienzentrum Prenzlauer Berg den Zuschlag bekam. 2001 wurde es im Rahmen der Lan­desinitiative jugendnetz-berlin.de zum Medienkompetenzzentrum für den Bezirk Pankow. Mit der 2008 neu entstandenen Kooperationseinrichtung zwischen WeTeK Berlin gGmbH und der Jugendförderung Pankow am Standort Hosemannstraße 14 ergab sich ein modellhaftes Erprobungsfeld und verbesserte Vernetzungsstrukturen insbesondere in Richtung der kommunalen Einrichtungen.

Im Herbst 2009 beschloss der KJHA die Stärkung des Standortes als Medieneinrichtung in Pankow durch Standortwechsel des Jugendmedienklubs SO69 (Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH) in die Hosemannstraße 14, der im Frühjahr 2010 als Experimentalbox eingezogen ist. Damit vollzog sich ein Wechsel der Trägerschaft vom Bezirksamt zu den beiden Trägern WeTeK Berlin gGmbH und Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH. Mit der Übertragung schloß dann aber leider auch die Gästeetage. Seit Schuljahresbeginn 2010/2011 wurde ein Teil dieser Räume von dem Schulprojekt Kurswechsel (Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH) genutzt.

Leider floßen in den Jahren nach der Wende niemals soviel Mittel in die Kinder- und Jugendarbeit um die Immobilie auch baulich im Alltag so zu pflegen, dass einer kontinuierlichen Arbeit nichts im Wege stehen würde, so dass es seit 1995 immer wieder Versuche gab das Haus in die bezirkiche Investitionsplanung einzubeziehen. Es dauerte bis 2016 dies zu schaffen und so dem tradionsreichen Haus eine weitere Zukunft als Medienkompetenzzentrum Pankow zu sichern. Bis Ende 2017 erfolgte eine umfangreiche Sanierung, welche mit einer Neueröffnung im Dezember 2017 abgeschlossen wurde.

Der alleinige Träger des Hauses ist nunmehr WeTeK Berlin g. GmbH, Eigentümer bleibt das Bezirksamt Pankow.