Unser erstes Interview am Einsteincenter

Am Dienstag sind wir zum Ernst-Reuter-Platz gefahren. Dort sind wir zur TU gegangen. In der TU sind wir mit dem Fahrstuhl in den 12. Stock gefahren. Erstmal hatte man einen schönen und weiten Blick über Berlin. Es befand sich im 12. Stock das Einsteincenter Future. Hier hatte Setareh Maghsudi ihr Büro. Sie war sehr nett. Zuerst gingen wir mit ihr in ihr Büro mit tollen Ausblick über Berlin. Für das Interview fuhren wir mit dem Fahrstuhl in den 20. Stock, wo sich die Kantine befand. Setareh lud uns ein und wir konnten uns ein Getränk aussuchen. Dort war es jedoch zu laut für das Interview, so dass wir wieder in den 12. Stock führen. Hier konnten wir uns besser verständigen. Da holte Setareh Süßes zum Naschen. Also aßen wir erstmal. Jetzt interviewten wir Setareh. 17 Fragen stellten wir ihr. Nach dem Interview redeten wir noch ein bisschen. Am Ende wurde noch ein Gruppenfoto gemacht und wir verabschiedeten uns von Setareh.

Aus verschiedenen Gründen gibt es dieses Interview leider in Textform und nicht als Audiodatei. Diesmal heisst es also: nicht hören sondern lesen:

Madison: Hallo, Herzlich Willkommen. Wir sind am Einsteincenter an der TU-Berlin. Wir sitzen im 12. Stock mit tollem Ausblick. Neben uns sitzt Setareh. Hallo.

Setareh: Hallo, ich freue mich sehr, dass ihr gekommen seid. Und ich bedanke mich sehr für euer Interesse.

Madison: Wir fangen jetzt mit den Fragen an. Die erste Frage ist: Sie sind Professorin und Doktor. Dürfen wir Sie duzen?

Setareh: Ja, klar.

Madison: Wie hast du es geschafft Professorin zu werden?

Setareh: Um beruflich große Ziele zu erreichen, muss man große Träume haben, in seinem Arbeitsbereich Talent haben und sehr viel arbeiten. Es ist sehr hilfreich, wenn man Unterstützung bekommt und Rückhalt in schwierigen Situationen erfährt. Ich habe sehr viel gearbeitet und habe auch die Unterstützung von Menschen, die an mich glaubten und mich dazu ermuntert hatten nach Deutschland zu kommen, um hier zu arbeiten.

Madison: Wie fühlst du dich als erste Professorin am Einsteincenter?

Setareh: Ja, im Einsteincenter gibt es viele Professuren und ich war die erste Professorin. Aber ich hatte kein besonderes Gefühl in dieser Hinsicht. Ich denke, dass es eher ein Zufall war. Es hätte schon vorher eine Frau für eine andere Professur berufen werden können. Für mich persönlich wäre es kein Unterschied, ob ich die erste oder die zweite oder die dritte Professorin geworden wäre. Habe ich deine Frage damit beantwortet?

Madison: Ja, du hast sehr gut geantwortet. Wie hast du deine Arbeit gekriegt?

Setareh: Wenn es einen freien Platz, eine freie Stelle gibt, dann macht die Uni eine Ausschreibung. Darin wird geschrieben, in welchem Bereich die Professorin oder der Professor arbeiten soll und welche Fähigkeiten sie oder er mitbringen muss. Dann werden sich viele Leute bewerben und es wird eine kurze Liste von Personen gemacht, die zu einem Interview eingeladen werden. Danach wird eine noch kürzere Liste mit z.B. den besten drei Kandidaten gemacht. Über diese besten Kandidaten werden Gutachten von anderen Professoren in der Welt eingeholt, die ähnliche Arbeitsthemen haben. Schließlich wird eine Rangliste gemacht, mit der besten Kandidatin oder dem besten Kandidaten auf dem ersten Platz und den anderen auf dem zweiten und dritten Platz. Dann wird der ersten Person auf der Liste die Professur angeboten und wenn sie oder er sie annimmt, ist die Auswahl beendet. Falls nicht, wird die zweite Person gefragt und so weiter.

Madison: Das ist eine sehr lange Sache. Es ist nur ein Platz frei?

Setareh: Ja, so ist es. Es ist wirklich nicht einfach als Professorin oder Professor berufen zu werden. Es gibt wirklich eine große Konkurenz.

Madison: Kannst du deine aktuelle Tätigkeit in leichter Sprache erklären?

Setareh: Unter anderem beschäftige ich mich im Bereich Mobilkommunikation mit dem „Internet der Dinge“. Dabei gibt es viele Geräte aber nur begrenzte Ressourcen, wie Leistung und Frequenzen, die zwischen den Geräten aufgeteilt werden müssen. Dass ist ähnlich wie die Situation, dass man einen Kuchen hat, der zwischen vielen verschiedenen Leuten geteilt werden muss. Manche haben großen Hunger und manche haben weniger Hunger. Man möchte den Kuchen so aufteilen, dass möglichst alle zufrieden sind. Für die Mobilkommunika on bedeutet das, dass die Geräte immer wieder entscheiden müssen, wer senden darf und wer eine Zeit lang warten muss. Wichtig ist, dass möglichst alle Geräte gut funktionieren können.

Madison: Jetzt kommen die nächsten vier Fragen von Mari.

Mari: Erinnerst du dich, was du werden wolltest, als du 12 Jahre alt warst?

Setareh: Damals dachte ich, ich möchte Präsidentin werden. Danach wollte ich Chirurgin werden und dann wollte ich Musikerin werden. Schließlich bin ich zur Elektrotechnik gekommen.

Mari: Woher kommt dein Interesse für Technik?

Setareh: Mein Interesse für Technik kommt von meinem Interesse für Mathematik. Ich mag bei der Technik das, was man durch mathematische Modelle beschreiben oder begründen kann. Solche Probleme gefallen mir sehr gut. Vieles in der Technik kann man mit Mathematik beschreiben.

Mari: Warum begeistert Technik immer noch mehr Männer als Frauen? Was meinst du?

Setareh: Ich kann nicht sagen, dass anfangs wirklich viel mehr Jungen als Mädchen von der Technik begeistert sind. Eigentlich denke ich, dass das Anfangsinteresse bei Mädchen und Jungen gleich groß ist. Vielleicht fühlen sich viele Mädchen aber nicht mutig genug die Begeisterung zu zeigen und daran zu arbeiten. Wenn sie aber ihr anfängliches Interesse nicht verlieren und es nach und nach größer wird, dann würde es auch von anderen eher bemerkt werden und könnte sich entfalten. Ich habe keine Statistik darüber. Ich sage das nach meiner Einschätzung und meinem Gefühl.

Mari: Warum hast du in Deutschland studiert?

Setareh: Ich dachte, dass ich mehr Möglichkeiten in Deutschland habe. Ich konnte ein bisschen Deutsch und ich habe eine Tante hier in Deutschland. Dadurch habe ich mich für Deutschland entschieden.

Cata: Wo lebt deine restliche Familie?

Setareh: Ich bin Iranerin. Meine restliche Familie ist im Iran, außer meine Tante. Fast alle Leute, die ich lieb habe, sind im Iran, in Teheran.

Cata: Was machen deine Eltern?

Setareh: Meine Eltern haben im Bereich Finanzen studiert. Sie arbeiten im Bereich Buchhaltung, Finanzkontrolle und Management.

Cata: Für was hast du neben der Arbeit Zeit? Findest du Zeit für andere Dinge, zum Beispiel deine Familie?

Setareh: Ich reise normalerweise zwei mal im Jahr zu meiner Familie. Insgesamt ungefähr vier Wochen. Wenn ich dort bin, muss ich auch weiter arbeiten, aber wir können zusammen essen und ins Kino gehen. Ich mache auch Sport, wenn ich Zeit finde und schaue mit meinem Bekannten Cartons. So viel Freizeit habe ich aber nicht. Die Familie ist aber sehr wichtig, weil sie das Herz warm macht. Die Arbeit kann das so nicht.

Cata: Wie fühlst du dich in Berlin? Bist du glücklich?

Setareh: Ja, ich denke ich bin glücklich hier. Ich bin nicht neu in Berlin. Ich habe meinen Doktor hier in Berlin gemacht. Dafür war ich schon vier, fünf Jahre in Berlin.

Sonja: Was willst du in deiner Zukunft machen? Beziehungsweise, was ist dein nächstes Ziel?

Setareh: Dazu muss ich etwas erklären. Nicht alle Professoren sind in der gleichen Situation. Ich bin jetzt Juniorprofessorin. Das ist das unterste von drei Niveaus, die es für Professoren gibt. Mein Ziel ist, das höchste Niveau zu erreichen.

Sonja: Gibt es Leute, die dich bei Problemen unterstützen?

Setareh: Wenn ich Probleme habe, spreche ich manchmal mit meinen Eltern. Aber nicht so oft, weil sie von zu Hause aus nicht viel helfen können. Wenn ich davon erzähle, werden sie nur unruhig oder traurig. Deswegen versuche ich nicht so viel von den Problemen zu erzählen. Ich habe hier auch einen befreundeten Kollegen, der in der TU-Berlin als Wissenschaftler arbeitet, der mich unterstützt. Er kennt vieles und ich kann von ihm Ratschläge bekommen, wenn es Probleme gibt.

Sonja: Welche Vorbilder hast du?

Setareh: Ich habe keine speziellen Personen als Vorbilder. Ich denke es ist besser, wenn man sich bestimmte Charakterzüge und Eigenschaften von Menschen zu Vorbild nimmt, als ganze Personen. Das hat viele Vorteile: Erstens wird man nicht enttäuscht, wenn das Vorbild mal etwas macht, dass man selbst schlimm findet. Zweitens, man bleibt man selbst und original, wenn man keine bestimmte Person als Vorbild hat, der man in jeder Hinsicht folgt. Drittens kann man kritisch bleiben und versuchen bei sich selbst solche Eigenschaften abzubauen, die einen bei anderen Personen stören, die man schlecht findet. So mache ich das.

Sonja: Jetzt kommen wir zur letzten Frage. Welche Tipps hast du für junge Mädchen wie uns zur Berufswahl?

Setareh: Hier in Deutschland habt ihr wirklich Glück. Ihr könnt gut lernen und dann gibt es für euch viele Möglichkeiten etwas auszuwählen, was ihr studieren möchtet oder welchen Beruf ihr erlernen wollt. So eine Möglichkeit haben viele nicht in der Welt. Um diese Möglichkeit nutzen zu können, muss man zuerst wissen, worum es in jedem Fach und bei jedem Beruf geht. Man muss auch wissen, was sonst noch für einen wichtig ist. Zum Beispiel, wenn man gut bezahlt werden will, muss man wissen, was man in diesem Beruf erwarten kann und wie gut man einen Job bekommt. Dann solte man auswählen, was einem richtig gut gefällt, weil der wichtigste Faktor ist, dass man fleißig bleibt, um erfolgreich zu sein in dem was man macht. Egal was du machst, du musst viel arbeiten, um erfolgreich sein zu können. Erfolgreich meine ich nicht nur in dem Sinne, dass man Professorin wird oder Medallien bekommt, sondern dass man selbst mit sich zufrieden ist. Dass man sagen kann: ich hatte es vor und ich habe geschafft , was ich vorhatte.

Sonja: Vielen Dank, dass du unsere Fragen beantwortet hast.

Setareh: Bitte sehr.